Objektauszeichnungen

SCHWEIZER HOLZ

Der Kindergarten Untervaz erhielt vergangene Woche das Label «SCHWEIZER HOLZ» verliehen. Über 70% des verbauten Holzes stammt aus dem Vazer Wald und zeigt, wenn man will, dann ist es umsetzbar. Voller Freude überreichte unser Geschäftsführer Paul Engler das Zertifikat an den Gemeindepräsidenten René Vogel sowie den Architekten Rainer Weitschies der ARGE Weitschies Krähenbühl im Beisein von Aktueren aus der Holzkette sowie Medienvertretern.

v.l.n.r.: Martina Jäger (ruwa holzbau ag), Sascha Brenn (Schöb AG), Moritz Cahenzli (ARGE Weitschies Krähenbühl), Franz Bärtsch (Bärtsch Bauleitungen), Ken Flury (Forstbetrieb Gemeinde Untervaz), Rainer Weitschies (ARGE Weitschies Krähenbühl), René Vogel (Gemeindepräsident Untervaz), Paul Engler, (Geschäftsführer Graubünden Holz)

BauherrschaftGemeinde Untervaz
Total m3 verbautes SCHWEIZER HOLZ348.80 m3
Ausgezeichnete BauteileGesamtobjekt
Beteiligte Akteure aus der HolzketteARGE Weitschies Krähenbühl Architekten
Lötscher & Co. AG, Schiers
ruwa holzbau ag
Schöb AG
Studach AG, Untervaz

Allgemeiner Beschrieb

Der neue Kindergarten in Untervaz soll für die Kinder ein Ort der Geborgenheit sein an dem sie ihren natürlichen Bewegungsdrang ausleben und selbständig ihre Umwelt aneignen können. Die natürlichen Materialen schaffen eine sinnliche Atmosphäre, die sich positiv auf die Entwicklung der Kinder in dieser prägenden Lebensphase auswirkt. Die Architektur unterstützt die pädagogische Arbeit der Lehrpersonen. Der Hanfkalk, die einheimischen Hölzer, der Lehmputz und der Schafwollfilz erzeugen im Inneren eine beruhigende Raumstimmung. Aussen ermöglichen der Sand und die Steine, das Wasser und die Gräser, Sträucher und Bäume den Kindern anregende Naturerfahrungen. Das Licht der Sonne – und der zugehörige Schatten – wird unmittelbar erfahren und der Wandel der Jahreszeiten sinnlich erlebt.

Mittels Projektwettbewerb suchte die Gemeinde Untervaz, ein Dorf nahe Chur, 2021 ein Neubauprojekt, das den alten Kindergarten aus den 1930er Jahren ersetzt. Nach rund vier Jahren Planung und Bauzeit wurde er im August 2025 von den Kindern und Lehrpersonen bezogen.

Der Neubau bildet den Auftakt zum zentral im Dorf gelegenen Schulareal und schliesst es gleichzeitig gegen Osten hin ab. Durch die Eingeschossigkeit, das umlaufende Satteldach und die Gliederung der Fassaden gelingt es dem Bau, trotz des beachtlichen Gebäudevolumens, zwischen den grösseren Schulbauten und den angrenzenden Einfamilienhäusern zu vermitteln und eine kindsgerechte Massstäblichkeit zu erzeugen.

Im neuen Gebäude versammeln sich Kindergarten, Mittagstisch/Hort und Spielgruppe um einen Innenhof unter grossem Dach. Zwischen den Gebäudevolumen bilden sich grosszügige, überdachte Aussenräume. Durch die leicht abfallende Topographie zum bestehenden Parkplatz entsteht ein Sockelgeschoss, in dem sich die neue Parkgarage für das Dorf befindet. Die vier Kindergärten erreicht man über den Innenhof, jeder mit eigener Eingangstür. Der Mittagstisch/Hort, der von aussen erschlossen wird, wendet sich zum Schulareal. Zusammen mit dem neuen Sportplatz entsteht ein zusätzlicher Aufenthaltsort mit Brunnen, Tischen und Bänken für die Schülerinnen und Schüler. Die Spielgruppe orientiert sich gegen Süden zum öffentlichen Spielplatz.

Die nichttragende, diffusionsoffene 52 cm dicke Wand aus Hanfkalk bildet den Raumabschluss und erfüllt die Wärmedämmung in einem. Das Holz für die Tragstruktur und den Innenausbau stammt aus dem Wald der Gemeinde und ist unverleimt. Schafwolle an Wänden und Decken, das Holz und der Lehmputz schaffen eine äusserst angenehme Raumakustik und wirken direkt auf das Verhalten der Kinder. Die gewählten Materialien und Konstruktionen ermöglichen, dass das Gebäude nur wenig Technik benötigt, ohne mechanische Lüftung und ohne Kühlung.

Vazer Holz

Die Gemeinde Untervaz hat sich früh im Projekt entschieden, den Bau mit möglichst viel Holz aus dem eigenen Wald zu errichten. Dieser Entscheid wurde von den Architekten mitgetragen und so haben sie den beachtlichen Aufwand, den dieser Weg für die Planer und Unternehmer nach sich zieht, mit Freude auf sich genommen. Der fertige Bau zeigt, es hat sich gelohnt! Rund 315m3 Vazer Holz wurde verbaut, das sind über 70% des gesamten verbauten Holzes. Der grösste Teil wurde für die Konstruktion verwendet, meistens unsichtbar in den Wand- und Deckenelementen. In den Innenräumen und auf dem Dach wird die Tragstruktur allerdings gezeigt und das Vazer Holz kann in Form von Stützen, Pfetten, Sparren und Latten erlebt werden. Die Risse im tragenden Holz zeugen davon, dass es keine verleimten Träger sind, sondern unbehandeltes Vollholz, das lebt und schafft. Die zweite verbaute Holzart aus dem Vazer Wald neben der Fichte ist die Lärche. Diese wurde als Wandtäfer und für die Galerietreppe und -boden verwendet. Auch wenn im Vergleich zur Fichte viel weniger Kubikmeter verbaut wurden, hat sie als Verkleidung und in Form der Galerie eine starke Präsenz im Raum und trägt dank ihrer Wärme massgeblich zur Atmosphäre bei.

Weil Holz aus dem Wald nicht sofort verbaut werden kann, hat der ganze Holzprozess früh im Projekt begonnen. Im Winter 2022/23 hat der Forstbetrieb die Bäume gemäss Liste der Architekten und Bauingenieure geschlagen. Dies erfolgte vor der Submission sämtlicher Gewerke, kurz nach Abschluss des Bauprojektes. Zu einem Zeitpunkt also, bei dem bei gewöhnlichen Holzbauprojekten noch nicht jede Wand und Stütze dimensioniert ist, geschweige denn bereits Holz bestellt wird. Das geschlagene Rundholz wurde nach Küblis transportiert und von der Firma ruwa eingesägt. Auf der Bestellliste führten die Architekten jedes Bauteil mit seinen Dimensionen inkl. 15% Zuschlag wegen des Hobelns auf. Zum Beispiel steht da Kehlbalken innenhofseitig, 20x36cm, Länge 10.15m, Stückzahl 1. Oder Randpfosten Innenwand, 8x12cm, Länge 6.0m, Stückzahl 20. Nach dem Einsagen wurde das Holz zur Lagerung und natürlichen Trocknung wieder nach Untervaz auf einen Lagerplatz gebracht. Zuerst kam der Baumeister im Frühling 2024 und holte die sägerauen Bretter für die Sichtschalung, das Vazer Holz kann also auch in Form von Abdrücken auf den Betonoberflächen bestaunt werden. Wenig später begann der Zimmermann mit dem Transport des Holzes in seine Werkstatt in Gams, SG. Die Firma Schöb verlegte das Holz in die technische Trocknung, hobelte es auf die endgültige Dimension und verarbeitete es im Abbund zu Wand- und Deckenelementen, Stützen, Pfetten und Sparren. Gut verpackt auf Pritschenanhänger wurde das Holz wieder nach Untervaz auf die Baustelle transportiert, wo im August 2024 mit dem Aufrichten des Holzbaus begonnen wurde. Anfangs Dezember 2024 hat der Zimmermann die letzten Sparren auf dem Dach montiert und der Dachdecker begann mit dem Eindecken. Das Holz für die Innenausbauten blieb bei der Firma ruwa, da diese die Wand- und Deckenverkleidungen ausführten. Dies wurde in der ersten Hälfte des Jahres 2025 erledigt und pünktlich zum Schulstart im August 2025 konnte der neue Kindergarten bezogen werden. Seitdem erfreuen sich die Kinder und Lehrpersonen an den neuen Räumen und natürlichen Materialen. Das Holz aus dem Vazer Wald leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

Bericht vom TV Südostschweiz

Bericht im Prättigauer & Herrschäftler

Bericht Webseite Gemeinde Untervaz

Haben auch Sie ein Bauwerk, das sich für eine Objektauszeichnung mit dem Label Schweizer Holz eignet? Graubünden Holz freut sich über Ihre Kontaktaufnahme.

Text: ARGE Weitschies Krähenbühl Architekten, Chur

Fotos: ruwa holzbau ag, Laura Egger, ARGE Weitschies Krähenbühl

Fotos Übergabe: Christian Ludwig