Prix Lignum 2024
Casa Lieur

Das Objekt liegt in einem ruhigen Eigenheimquartier in der Gemeinde Laax GR. Durch die platzsparende Bauweise im Hofstattrecht und die schonende Nutzung der strassenseitig angrenzenden Parzelle mit einem Fahrzeugunterstand konnte ein Biotopflächenfaktor BFF von herausragenden 0.61 erzielt werden. Diese Kennzahl gibt das Verhältnis der naturhaushaltwirksamen Flächen zur gesamten Grundstückfläche wieder und steht für die ökologische Dichte.

Wie bei anderen Plus-Energie-Bauten sticht die hochgradige Energieeffizienz heraus (ca. 400% Produktionsüberschuss gegenüber Eigenverbrauch). Dies wird unter anderem durch die Nutzung einer elegant integrierten Photovoltaikanlage auf dem Dach erreicht. Durch den grossflächigen Fenstereinsatz zur Südseite wird der solare Wärmeeintrag zusätzlich optimiert.

Der Ersatzneubau ist grösstenteils aus Massivholz-Elementen gefertigt. Es handelt sich um ein Brettstapelsystem mit Fichtenholz aus der Ostschweiz. Dank der ausgeklügelten Verbindung mit Holzdübeln sind keine Verleimungen nötig und der Aufbau besteht durch und durch aus Holz. Der Betonanteil wurde weitgehend auf die Bausubstanz im Erdreich beschränkt, was das Konto der verbauten grauen Energie entlastet.

Im Innenausbau wurden in Anlehnung an den Minergie-Öko-Standard fast ausschliesslich baubiologisch unbedenkliche und zertifizierte Materialen eingesetzt.

Im Rahmen eines Pilot-Projektes mit einem Start-up-Unternehmen hat das Casa Lieur als erstes Objekt weltweit ein Herkunftszertifikat für das verbaute Datumsholz erhalten. Das Holz wurde unmittelbar nach dem Schlag mit GPS-Koordinaten erfasst und in den nachgelagerten Verarbeitungsschritten verfolgt. Im Falle des Casa Lieur handelt es sich um sogenanntes Mondphasenholz. Die ausgewählten Bäume wurden in speziellen Mondkonstellationen gefällt bzw. geringelt. Nun können die gesamten Verarbeitungsstufen des Holzes auf einer Website eingesehen werden. So wurde die Lieferkette transparent gemacht und mittels Blockchain-Technologie fälschungssicher abgelegt.

Das ökonomisch und ökologisch überzeugende Casa Lieur verfügt mit der Rückverfolgbarkeit der Holzkonstruktion über ein Alleinstellungsmerkmal, welches ganz im Sinne des klimasensitiven Zeitgeistes steht. Der architektonische Ansatz überzeugt durch seine Schlichtheit, mit der die Struktur und das Farbenspiel des einzigartigen Holzes, aber auch der komplementären Materialien in Szene gesetzt werden.
Projektdetails:
Ersatzneubau, Ferienhaus, Einfamilienhaus
Fertigstellung:
2022
Projekteingabe:
2024
Projektstandort:
Vorwiegend verwendetes Holz:
Fichte
Zusätzlich verwendetes Holz:
Lärche
Behandlung des Holzes:
naturbelassen
Bauherrschaft:
Daniel Wäger, Winterthur
Architektur / Planung:
Vincenz + Weishaupt Architekten AG, Thomy Sgier, Ilanz
Ingenieur:
Die Bauleitung AG, Chur
Ausführung Holzarbeiten:
Nägeli AG, Chläus Meier, Gais
Schreiner:
Camathias SA, Laax
Weitere:
Caderas Holz, Ruschein
Photos:
Dani Ammann Photography, Ilanz
Pascal Inauen
Pläne: