Projekte

Neba dr Rüfi

Teilnahme:
Prix Lignum 2021
Projektstandort:
7203 Trimmis
Fertigstellung:
2020
Projektdetails:
Einfamilienhaus
Vorwiegend verwendetes Holz:
Fichte
Art der Holzanwendung:
naturbelassen
Architektur / Planung:
Studio O und Seraina Jenal, Seraina / Adriana Jenal / D'Inca, Chur;
Ausführung Holzarbeiten:
Ruwa, Ruedi Walli, Küblis;
Ingenieur:
J.A. Könz s.c.r.l, Jon Andrea Könz, Zernez;

Das Haus «Neba dr Rüfi» steht in der Dorfmitte. Das Holz für die Konstruktion, die Fassade und den Ausbau stammt aus den umliegenden Wäldern. Der Bauherr und Förster hat die Fichten und Lärchen gezeichnet. Verarbeitet wurde das Holz in einem lokalen Betrieb und in Elementbauweise zu einem schlichten Volumen gefügt. Der Werkstoff Holz ist innen wie aussen sichtbar und zeigt das Potenzial des lokalen Rohmaterials.

Im Haus «Neba dr Rüfi» im Dorfkern von Trimmis in Graubünden leben eine Frau, ein Mann, demnächst zwei Kinder, ein Kleiner Münsterländer, hoffentlich bald Mauersegler und im Garten zahlreiche Eidechsen. Der Bauherr und Förster mag kein verleimtes Holz, die Bauherrin und Geografin wünscht sich ein Sitzfenster mit Blick in die Natur. In den Rahmenbau des Elementbaus integrierte Streben und ein verdübelter Balken mit schräg eingelassenen Schubkeilen als Firstpfette ersetzten die letzten in der Planung übrig gebliebenen verleimten Elemente. Einzig das vom Förster gezeichnete Holz aus den umliegenden Wäldern kommt zum Einsatz. Die Fichte dient als Konstruktionsholz. Sie wird sichtbar als tragende Massivholzdecken, als Täfer mit unterschiedlich breiten Brettern, im Innern der Einbaumöbel, als Front, wo diese als Wand erscheinen. In den Trimmiser Wäldern wachsen auch Lärchen: Sägeroh belassen, mit Nut und Kamm gefügt verkleiden die einst stolzen Bäume als stehende Bretter unterschiedlicher Breite den eigenwillig geformten Kubus zwischen Strasse und Dorfrüfe. Die schmale Stirnseite mit mittigem Giebel schaut zur imposanten Felswand; die breitere, mit asymmetrischem Giebel Richtung Calanda. Das Dach ist auf der sonnigen Seite gerade und trägt die Photovoltaikanlage, auf der schattigen dagegen ist es doppelt gekrümmt. Auch die massiven Fensterstöcke sind aus Trimmiser Lärche und leuchteten zu Beginn in der Abendsonne mit der goldenen Fassade um die Wette. In der Zwischenzeit zeigt sich ein erster silberner Schimmer und entlarvt den noch goldenen Lärchenzaun gegen die Rüfe als Werkstück jüngeren Datums. Im Innern ergänzt das Lärchenholz die helle Fichte bei Einbaumöbeln und Küchenfronten, als Treppenstufen und Türrahmen, als Büchergestell, beim Sitzfenster und in den Schlafzimmern als Riemenboden. Die zahlreichen Harzgallen der Massivholzdecken tropfen nicht mehr. Die Familie hat sich eingelebt und fühlt sich wohl in ihrem Haus. Der Förster nimmt den unregelmässigen Wuchs und die Asteinschlüsse seines Holzes gerne in Kauf. Stolz ist er auf den lokalen Ursprung des Baumateriales und seine lokale Verarbeitung. Das Haus «Neba dr Rüfi» ist ein weiteres Beispiel für eine unprätentiöse und pragmatische Verwendung von lokalem Holz als Bauwerkstoff und CO2-Speicher und hilft mit, diese zu einer Selbstverständlichkeit werden zu lassen.
Datenblatt (PDF 4.23 MB)

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