28.09.2018 - PREISVERLEIHUNG PRIX LIGNUM 2018 – REGION OST

Zukunftsweisende Arbeiten mit Holz bekannt machen, das ist das Ziel des Prix Lignum. Der Preis wird zum vierten Mal seit 2009 gesamtschweizerisch verliehen. Zugelassen waren Bauwerke, Innenausbauten, Möbel und Kunstwerke aus der Schweiz oder dem Fürstentum Liechtenstein, die zwischen dem 1. Januar 2014 und dem 28. Februar 2018 fertiggestellt wurden.

Die Wiedergabe der zur Verfügung gestellten Bilder ist nur für die Berichterstattung über den Prix Lignum 2018 gestattet. Jeder Abdruck erfordert zwingend einen expliziten Urhebernachweis (Nennung des/der FotografIn sowie Prix Lignum 2018).

Weitere Fotos werden in der Downloadseite angezeigt.

 

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1. Rang Region Ost

Aufstockung Wohnhaus Röschstrasse, St. Gallen SG, 2016

Mit dem 1. Rang der Region Ost würdigt die Jury das Mehrfamilienhaus Röschstrasse in St. Gallen, welches auf den ersten Blick wie ein Neubau erscheint, aber tatsächlich eine Aufstockung im grossen Stil ist. Auf der spitz zulaufenden Parzelle stand ein Gewerbebau, in dessen Untergeschoss am Hang ein Linsenschleifer arbeitete. Damit die Maschinen auch während des Umbaus weiterlaufen konnten, entschied der Bauherr, die beiden Obergeschosse durch fünf Stockwerke in Holzbauweise zu ersetzen. Dass das Gebäude aus Holz gebaut ist, wollten die Architekten auch auf der Fassade zeigen. Die Stadt lehnte den Vorschlag zunächst ab und verwies auf die verputzten Häuser im Quartier. Mit einem Fassadenmuster im Massstab 1:1 konnten die Architekten die Behörden schliesslich überzeugen. Ihr sorgfältig geplantes Konzept erinnert an Betonfassaden, spricht aber eine eigene, holzaffine Sprache.

 

Dank einer gesamtheitlichen Betrachtung ermöglicht Holz ein Gebäude, das so in einer anderen Bauweise kaum möglich gewesen wäre. Die Architekten bauen auf dem Bestand auf und sparen so graue Energie und Bauzeit. Sie entwickeln eine konsequente Tragstruktur, die die Wohnungen prägt. Und sie bringen Holz mit der Fassade überzeugend in einen muralen Kontext.

 

Bauherrschaft: privat

Architektur: Forrer Stieger Architekten AG, St. Gallen

Holzbau: Kaufmann Oberholzer AG, Schönenberg

Bauingenieure: Josef Kolb AG, Romanshorn

Bild © Till Forrer/Prix Lignum 2018

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2. Rang Region Ost | Nationale Wertung: GOLD

Bergstation Chäserrugg, Unterwasser SG, 2015

Den 2. Rang der Region Ost verleiht die Jury der Bergstation auf dem Chäserrugg – einem Holzbau mit eigener Sprache und eigener Dimension. Die Architekten Herzog & de Meuron entwickeln aus einer komplexen Aufgabe eine prägnante Form. Der Bau oszilliert zwischen Scheune, Chalet und Gondelhalle. Das Dach hält ihn zusammen. Das Gebäude hebt die klassische Zimmermannskunst auf einen neuen Massstab: imposante Auskragungen, spitz zulaufende Dachecken, riesige Balken, die auf baumähnlich sich verzweigenden Betonstümpfen lagern. Die Architekten nutzen Holz exemplarisch, um in dieser Höhe zu bauen. Sie integrieren den Bestand geschickt in ein neues Ganzes, das dank dem Holz vorbildlich in die Umgebung passt. Das Resultat ist keine Event-Architektur, sondern eine kraftvolle Ruhe auf dem Berg. Und damit ein Vorbild für viele Tourismus-Betreiber, die in sensiblen Landschaften bauen.

Auf nationaler Ebene hat die Bergstation auf dem Chäserrugg die Gold-Auszeichnung 2018 gewonnen. 

 

Bauherrschaft: Toggenburg Bergbahnen AG, Unterwasser

Architektur: Herzog & de Meuron Basel Ltd., Basel

Holzbau: Blumer-Lehmann AG, Gossau

Holzbauingenieure: Schnetzer Puskas Ingenieure AG, Basel; Pirmin Jung Ingenieure AG, Sargans; Schällibaum AG, Herisau

Herkunftszeichen Schweizer Holz (Fassade)

Bild © Katalin Deér/Prix Lignum 2018

 

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3. Rang Region Ost

Campadi Ogna, Trun GR, 2016

Das neue Betriebsgebäude und Badehaus des Campingplatzes Trun ehrt die Jury mit dem 3. Rang der Region Ost. Die Betreiber rüsten den Campingplatz mit den Neubauten für den ganzjährigen Betrieb. Die Holzfassaden der beiden nordisch anmutenden Neubauten sind schwarz eingefärbt. So fügen sie sich im grünen Auwald ein wie die dunklen Stämme und Äste der Erlen selbst. Der hoch aufragende, leicht asymmetrische Dachraum im Restaurant erinnert einerseits an eine Kirche, andererseits an ein hölzernes Zelt. Das Gebäude wurde als Elementbau mit einheimischem, unverleimtem Holz in einer nahen Zimmerei in Trun vorgefertigt. Die sparsame Robustheit des Gebäudes, mit der auch die Details ausgearbeitet sind, überzeugen und vermitteln Stabilität und Geborgenheit.

Im Spiel mit Innen und Aussen schafft auch das leicht erhöhte Badehaus subtil Intimität. Vier windmühlenartig angeordnete Gebäudeflügel generieren rund um einen Patio verschiedene Räume. Das Material ist auch hier robust und sparsam verarbeitet, ohne dass es asketisch wirkt. Dieser Ausdruck passt zu den naturnahen Unterkünften und den Komfortansprüchen der Campierer.

Die beiden Neubauten stehen für eine holztypische Bauaufgabe, die sorgfältig konstruiert und in den Kontext eingefügt wurde. Sie halten das Zimmermannshandwerk hoch und nutzen die atmosphärische Qualität von Holz mit einfachen Mitteln, ganz nach dem Motto: klein, aber fein.

 

Bauherrschaft: Campadi Trun SA, Trun

Architektur: Iso Huonder Architektur, Chur

Holzbau: Tarcisi Maissen SA, Trun, Daniel Maissen SA, Rabius

Bauingenieure: Walter Bieler AG, Bonaduz

Bild © Ralph Feiner/Prix Lignum 2018

 

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Anerkennung Region Ost

Origen-Theaterturm, Julierpass GR, 2017

Die Konstruktion lässt das Bauwerk wie ein grosses Modell erscheinen und erinnert an den Bühnenbau. Die tragende Idee des Kulturtransfers, die nahezu magische Erscheinung des Gebäudes in der kargen Berglandschaft, seine aussergewöhnliche Typologie und die letztlich sinngebende künstlerische Nutzung als Spielstätte: Das sind die prägenden Aspekte dieses Projekts. Materialwahl, Konstruktion und Verarbeitung ordnen sich geschickt und unaufdringlich unter. Die Form folgt explizit der Funktion.

 

Bauherrschaft: Origen Cultural Festival, Bonaduz

Architektur: Giovanni Netzer und Walter Bieler, Bonaduz

Holzbau: Uffer AG, Savognin

Holzbauingenieure: Walter Bieler AG, Bonaduz

Bauunternehmen: Nicol. Hartmann & Cie., St. Moritz

Bild © Christian Brandstätter/Prix Lignum 2018

 

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Anerkennung Region Ost

Busterminal, Churwalden GR, 2016

Das Bus-Terminal steht auffällig als strahlendes Riesenmöbel mitten in der diffus gestreuten Dorfstruktur von Churwalden. Da sich die Stadt-skulptur nach allen Seiten gleichwertig zu ihrer Umgebung verhält, schafft sie räumliche Stabilität und einen Ankerpunkt im Quartier. Obwohl der Innenraum eine eigene Tragstruktur hat, ist die Konstruktion der Hülle mit Vordach nicht nur Dekoration. Rippen nehmen die Lasten des Vordachs auf und gliedern das Gebäude. Die schmaleren Rippen dazwischen bilden die Fassade und sorgen für die Ventilation. Sie integrieren das Mobiliar des Terminals wie die Wartebank oder den Ticketautomaten.

 

Bauherrschaft: Bellavita Lai AG, Chur

Architektur: Ritter Schumacher AG, Chur

Holzbau: Frommelt Zimmerei und Ing. Holzbau AG, Schaan (FL)

Bauingenieure: EWP AG, Chur

Holz: Hemmi Forst, Churwalden

Bild © Skipp communications/Prix Lignum 2018

 

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Anerkennung Region Ost

Punt da la Güstizia, Zernez GR, 2016

Um die Aufgabe zu lösen, spannte der Bauingenieur Jon Andrea Koenz mit dem Künstler Flurin Bischoff zusammen. Bischoffs präzise Idee bildete den Ausgangspunkt des Entwurfs, der die künstlerische und die statische Seite vereinigt. Die Form des Bauwerks ergibt sich direkt aus den statischen und räumlichen Notwendigkeiten. Die Konstruktion in Holz und Metall erfüllt sämtliche Anforderungen an das Bauwerk. Die reduzierten Elemente sind effektiv eingesetzt, die Details sorgfältig konstruiert, der Umgang mit dem Werkstoff Holz ist sparsam und vorbildlich.

 

Bauherrschaft: Gemeinde Zernez

Architektur: Flurin Bischoff, Lavin

Holzbau: Foffa Conrad, Valchava

Bauingenieure: J. A. Koenz, Zernez

Bild © Florio Puenter/Prix Lignum 2018

 

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Anerkennung Region Ost

Haratori Office, Mathon GR, 2016

 

Die Architekten erkannten im Altbau überraschende Parallelen zur Bauernhaustradition in Japan. Sie konzentrierten sich auf das Wesentliche: die Raumstruktur, das Holz und das Licht. Sie erstellten kein Haus im Haus, sondern machten aus dem offenen Strick eine wärmedämmende Wand. Präzis eingepasste Lärchenpflöcke stabilisieren die Rundhölzer. Die Zwischenräume sind mit Brettern geschlossen und aussen von Hand mit Strohlehm ausgestrichen. Er lässt das Haus atmen und schützt das Holz. Der Baustoff ist mit viel handwerklichem Aufwand verbunden, überzeugt aber bauökologisch und ästhetisch.

 

Bauherrschaft: Office Haratori, Zürich

Architektur: Office Winhov, Amsterdam; Office Haratori, Zürich

Holzbau: Schreinerei Anton Mani, Andeer; Holzbau Mani, Andeer

Bauingenieure: Conzett Bronzini Partner AG, Chur

Baubiologie: Künzler Baubiologie Lehmbau, Winterthur

Bauphysik: Amstein + Walthert, Zürich

Denkmalschutz: Denkmalpflege Graubünden

Bild © Office Haratori/Prix Lignum 2018

 

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Anerkennung Region Ost

Kindergarten Wildenstein III, Rorschacherberg SG, 2017

Den Basler Architekten ist ein Schmuckstück in Holz gelungen, das zum grössten Teil aus Schweizer Wäldern stammt. Leider geht die Konstruktion manchmal etwas zulasten der Gebrauchstauglichkeit. Alles in allem überzeugt der Holzbau aber, da er ausserordentlich durchdacht ist und den Baustoff in allen Facetten zelebriert, von der Tragstruktur bis zum Möbel. Das geht nur mit einem Material: mit Holz.

 

Bauherrschaft: Politische Gemeinde Rorschacherberg

Architektur: Jaeger Koechlin Architekten, Basel

Holzbau: PM Mangold Holzbau AG, Ormalingen

Holzbauingenieure: Pirmin Jung Ingenieure AG, Rain

Herkunftszeichen Schweizer Holz (Gesamtobjekt)

Bild © Roman Keller/Prix Lignum 2018

 

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Anerkennung Region Ost

Wohnhaus Blaues Kreuz, Praden GR, 2016

Am Dorfrand von Praden steht die ‹Dépendance en miniature› des vom Blauen Kreuz betriebenen Ferienlagerhauses. Der etwas merkwürdige Massstab des kleinen Strickbaus, der mit Fichtenbrettern verkleidet ist, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als ein klug konzipiertes und sorgfältig detailliertes Raumgefüge. Der einfache Innenausbau in Schichtholzplatten ist zweckmässig, aber nicht banal. Im Ganzen ergibt sich so auf kleinstem Raum ein hohes Mass an Wohnqualität.

 

Bauherrschaft: Blaues Kreuz, Praden

Architektur: Conradin Clavuot Architekt, Chur

Holzbau: Ruwa Holzbau AG, Küblis

Bild © Ingo Rasp/Prix Lignum 2018

 

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Anerkennung Region Ost

Aufstockung LICO, Müstair GR, 2017

Die Halle zeigt, dass ein Gewerbebau mit hohen Lasten und grossen Spannweiten in Holz ausgeführt werden kann. Holz verkürzte die Bauzeit und erlaubte, das Erdgeschoss während der Bauarbeiten zu nutzen. Nachhaltig war auch der Ablauf. Die ursprüngliche Gefällsdämmung wurde demontiert, zwischengelagert und danach auf der Aufstockung wiederverwendet. Ein von Anbeginn durchdachtes System.

 

Bauherrschaft: LICO AG, Müstair

Architektur: Architectura La Chasa, Müstair

Holzbau: Foffa Conrad Holzbau AG, Valchava

Bauingenieure: Brem & Thanei, Scuol

Bild © Martin Pinggera/Prix Lignum 2018

 

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Anerkennung Region Ost

Haus am Hang, Urnäsch AR, 2016

Die Architekten reduzieren das Gebäude auf das Nötige und schaffen so etwas Neues. Das Haus lebt vom direkten Umgang mit den Materialien Beton und Holz. Es fügt sich in den Ort ein und nimmt Rücksicht auf die Umgebung. Das fünfgeschossige Gebäude zeigt, wie man Holz in seiner nachhaltigsten Form als unverleimtes Rohmaterial verbaut – trotz schwieriger Rahmenbedingungen. Die Konstruktion schafft einen Mehrwert an Behaglichkeit und erlaubt eine grosse Flexibilität in der Nutzung. So modern kann Massivholz sein.

 

Bauherrschaft: privat

Architektur: Giger Nett Architekten GmbH, Zürich

Holzbau: Nägeli AG, Gais

Bauingenieur: Borgogno Eggenberger + Partner AG, St. Gallen

Bild © Rasmus Norlander/Prix Lignum 2018

 

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