19.03.2014 - Tag des Waldes 21. März 2014

Darum Schweizer Holz

Wenn es ums Bauen und Wohnen geht, ist Holz immer eine gute Wahl. Denn Holz ist ein natürlich nachwachsender Rohstoff, der für seine Herstellung nur Sonnenenergie benötigt. Ernte und Verarbeitung erfolgen sehr energiearm, und das Material speichert erst noch das Treibhausgas CO2. Noch besser schneidet indessen einheimisches Holz ab: Hiesiges Holz wird nicht weit transportiert, was die darin enthaltene Graue Energie reduziert.

Schweizer Holz - Qualität aus der Region

Fakten: Wald und Holz in der Schweiz

Reportage: Wohnen in einem Haus mit Wurzeln

Internet-Fokus des Bundesamtes für Umwelt BAFU zum Tag des Waldes 2014


 

Schweizer Holz – Qualität aus der Region

Schweizer Holz und Holzprodukte – vom Stuhl und Tisch über den Bodenbelag und den Innenausbau bis zum ganzen Haus – enthalten aber noch viel mehr ökologische Mehrwerte für Konsumentinnen und Konsumenten. Denn die Schweizer Waldbesitzer bewirtschaften ihre Wälder im internationalen Vergleich auf höchstem Niveau, was Umweltschonung und Nachhaltigkeit angeht. Tatsächlich trägt mehr als die halbe Waldfläche unseres Landes ein Ökozertifikat (FSC oder PEFC). Aus der zertifizierten Fläche stammen etwa 70% des im Schweizer Wald genutzten Holzes.

Allerdings machen beide hierzulande anzutreffenden Öko-Labels nach wie vor keine Aussagen über die Holzherkunft. Genau die interessiert aber die Konsumentinnen und Konsumenten – und sie haben gute Gründe dafür, wenn sie nach Schweizer Holz fragen. Denn in Schweizer Unternehmen fertigen hervorragend ausgebildete Fachleute aus dem Rohstoff Holz Produkte von bester Qualität. Und die macht es aus, dass Schweizer Herkunft im In- und Ausland als fester Wert gilt.

Zu den ökologischen Vorteilen des Materials kommen ökonomische, wenn es aus der Umgebung stammt: Es sichert Arbeitsplätze im Wald und in der Verarbeitung. Das ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten wie jetzt, wo der starke Franken allenthalben drückt, ein wichtiger Aspekt.

Herkunftszeichen.jpg      Herkunftszeichen Schweizer Holz - die Garantie für einheimisches Holz

Das Herkunftszeichen Schweizer Holz weist den Schweizer Ursprung nach. Alles Holz, welches in Schweizer Wäldern gewachsen ist und in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein verarbeitet wird, kann mit dem Herkunftszeichen markiert werden.

Bei gemischten Produkten darf ein Anteil des Holzes ausländischer Herkunft sein, jedoch nur, wenn das Holz aus vergleichbaren Produktionsregionen stammt und mit einem Nachhaltigkeitslabel oder einer kontrollierten Herkunft versehen ist. Mindestens 80% des Holzes müssen aus der Schweiz stammen.

www.lignum.ch/schweizerholz

 

Fakten: Wald und Holz in der Schweiz

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Wald bedeckt heute über 30% der Landesfläche, im Jura und im Tessin sind es 40% oder mehr.

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Der Zustand des Waldes als Ökosystem ist insgesamt gut, seine Erhaltung demnach weiterhin gewährleistet. Das belegt der Waldbericht 2005. Die Wälder gehören zu den natürlichsten Ökosystemen unseres Landes: Fast 60% aller Bestände sind naturnah aufgebaut, nur 10% sehr naturfern. Doch auch im Wald gibt es ökologische Defizite. Beispielsweise macht die Verdunkelung infolge aus­bleibender Durchforstung vielen licht- und wärmeliebenden Pflanzen zu schaffen.

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Die Schweiz hat mit rund 360 Kubikmetern pro Hektare Wald die höchsten Holzvorräte Europas.

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Jedes Jahr wachsen im Schweizer Wald gegen 10 Mio. Kubikmeter Holz dazu. Das heisst: Pro Sekunde wächst ein Würfel mit fast 70 cm Kantenlänge nach.

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Nachhaltiges Wirtschaften beruht auf der Verwendung nachwachsender Rohstoffe. Beim Rohstoff Holz ist die Schweiz noch weit von der Ausschöpfung des Potentials entfernt. Die Holznutzung liegt im langjährigen Mittel bei etwa 5 Mio. Kubikmetern. Eine zunehmende Holznutzung gefährdet den Wald deshalb nicht.

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Holz aus der Schweiz ist nachhaltig. Mehr als die halbe Waldfläche unseres Landes trägt ein Ökozertifikat. Aus der zertifizierten Fläche stammen ca. 70% des genutzten Holzes.

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Tropenholz ist in der Schweiz heute kein Thema mehr. Tropenholz macht kein Prozent des Schweizer Inlandverbrauchs an Holz aus. Im internationalen Vergleich sind die eingeführten Mengen nicht nur unbedeutend, sondern vernachlässigbar.

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Holz eignet sich in besonderem Masse zur Realisierung energieeffizienter Gebäude. Bauen mit Holz ist seit 2005 in der Schweiz bis sechs Geschosse möglich. Der Schweizer Holzbau-Anteil liegt jedoch erst bei zirka 15%. Das vergleichbare Nachbarland Österreich weist einen Holzbau-Marktanteil von rund 30% auf.

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Verbautes Holz fixiert Kohlendioxid aus der Atmosphäre für Jahrzehnte oder gar Jahr­hunderte. Im Schweizer Gebäudepark lagern heute netto rund 45 Millionen Tonnen CO2 – etwa die Schweizer Emissionen eines ganzen Jahres. Jede Tonne Holz, die zusätzlich ver­baut wird, erspart dem Klima grob gerechnet eine Tonne Kohlendioxid. Denn die Her­stellung der meisten Holzbauprodukte braucht deutlich weniger Energie als die Produkti­on anderer Baustoffe. Diese Energieeffizienz bedeutet eine markante Verringerung der CO2-Emissionen aus dem Fertigungs­prozess.

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Die Schweizer Wald- und Holzwirtschaft bietet insgesamt gegen 80'000 Arbeitsplätze in etwa 10'000 kleinen und mittleren Betrieben.

 

Reportage: Wohnen in einem Haus mit Wurzeln

Nicht nur bei Lebensmitteln bevorzugen immer mehr Menschen Regionales aus nachhaltiger Produktion. Auch im Bauwesen steigt die Nachfrage nach authentischen Materialien wie Holz aus der Region.

Von Michael Meuter, Verantwortlicher Information von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz, Zürich

 

Wenn der Zug aus dem Vereinatunnel ins Licht des Engadins schiesst, bietet sich dem Blick eine ganz andere Wohntradition als auf der Nordseite des Tunnels. Nachdem im Prättigau zuvor links und rechts der Bahn überall Holzbauten zu sehen gewesen waren, zeigen nun die traditionellen Bauten der Dörfer im Inntal dicke, weisse Mauern, die in der Sonne leuchten.

Man scheint hier, denkt der Reisende auf seinem Weg nach Scuol, wo die Bahnlinie endet, seit immer schon Holz allein für Heubühnen, für Balkone, Fenster, Türen und natürlich für Innenausbauten zu brauchen. Nur hie und da begegnen dem Wanderer in den Ortschaften – abgesehen von Ställen und Maiensässen – Holzbauten: Es sind moderne Werke.

Gegen brachliegende Ressourcen

Doch der massive Eindruck der Engadinerhäuser täuscht. ‹Die ältesten Häuser, deren Aufbau wir bei Umbauten freigelegt haben, sind ummauerte Strickbauten›, korrigiert der Architekt Chasper Cadonau das schnell verfertigte erste Bild. ‹Erst später hat man allein Mauerwerk verwendet.› Dennoch: Der Holzbau zeigt kaum Flagge in diesem Tal. So wenig, dass auch Sägereien wie die in Ramosch, wo Cadonau sein Büro hat, von Scuol weiter dem Inn entlang Richtung Martina, mangels Auslastung schliessen mussten. Die Anlagen unten im Plan da Mulign wurden schon vor Jahrzehnten verkauft und abtransportiert.

Das störte Cadonau, dessen Grossvater einst die Sägerei betrieben hatte. Es störte ihn um so mehr, als er überzeugt ist, dass man beim Bauen lokale Materialien verwenden sollte. Wo, fragte sich Cadonau, bleibt da das naheliegende Holz aus dem Wald, der im Engadin die Berghänge üppig bedeckt? Warum Baustoffe von weither herbeiführen, in denen dann wegen der Transporte, die sie hinter sich haben, Unmengen an Grauer Energie stecken, wo es doch vor Ort alles gibt, was es zum Bauen und Wohnen braucht? Weshalb sollte sich das Tal Wertschöpfung vergeben, auf die es doch selber dringend angewiesen ist?

Aus der Region – für die Region

Das war für Chasper Cadonau die Geburtsstunde des Konzepts ‹Chasa Engiadina›. Die nach dem Grundsatz ‹Nachhaltige Qualität aus der Region› individuell und hochwertig erstellten Häuser bestehen aus Holz, das nachweislich in Graubünden gewachsen ist, nach Möglichkeit aus der Umgebung des Ortes, wo ein Bau entsteht. ‹Das ist nachhaltig: nämlich umweltschonend, energiesparend und gesund. Und es sorgt für Arbeit und Verdienst in der Region›, bringt Cadonau die Stärken seines Konzepts auf den Punkt.

Chasper Cadonaus Büro ist klein. Seine Aufträge sind meist Wohnbauten für Familien, je etwa zur Hälfte Sanierungen und Umbauten auf der einen und Neubauten auf der anderen Seite. Etwas mehr als ein halbes Dutzend Einfamilienhäuser nach dem Konzept der ‹Chasa Engiadina› hat Cadonau in den letzten paar Jahren bauen können. Wer ist die typische Bauherrschaft, die sich dafür interessiert? ‹Es ist eine Familie, die ganz bewusst ein energiesparendes und gesundes Haus will›, sagt Cadonau.

Erstes Minergie-A-Haus im Bündnerland

Eine Bauherrschaft wie die Familie Beer in Zernez zum Beispiel. Ihr 2011 fertiggestelltes Haus nach dem Konzept ‹Chasa Engiadina› war das erste Minergie-A-Haus des Kantons Graubünden und damit ein Gebäude an der Spitze der technischen Entwicklung. Ein Minergie-A-Haus hat in der Energiebilanz eine schwarze Null. Das bedeutet, dass der Aufwand für Raumwärme, Wassererwärmung und Lufterneuerung mittels Komfortlüftung sowie allenfalls Klimatisierung vollständig durch erneuerbare Energien abgedeckt wird – also durch Sonnenenergie und Biomasse, durch Erdwärme und Wärme aus der Aussenluft. Der anspruchsvolle neue Standard war von Minergie erst im Frühjahr 2011 lanciert worden – und wurde von einem anderen Holzbau im bernischen Rosshäusern als Pionier eingelöst.

Chasa_Beer.JPG
Chasa Beer in Zernet - Architektur: CADONAU büro d'architectura sa
(Bild: Chasper Cadonau, Ramosch)
 

In der Chasa Beer kommt der Beton für den Sockel aus Zernez, das benötigte Holz wurde in den Unterengadiner Gemeinden Sent und Tschlin geschlagen und nur wenige Kilometer entfernt in Ramosch gesägt und zu Elementen zusammengebaut – nicht zuletzt dank Aufträgen für Cadonaus ‹Chasa Engiadina› ist es im Plan da Mulign unten wieder lohnend geworden, Holz zu verarbeiten.

Chance zur Multiplikation

Bauen mit Materialien aus der Region: Das ist ein Konzept, das mit dem überall aufstrebenden Holzbau für die ganze Schweiz Aussicht auf Erfolg hat. Denn nicht nur findet sich in allen Landesgegenden genug von dem nachwachsenden Rohstoff Holz im Wald, sondern es gibt auch überall Waldwirtschaft, Sägereien und verarbeitende Betriebe wie Zimmereien und Schreinereien vor Ort. Schweizer Holz ist zudem aus Umweltsicht ein Premium-Produkt: Die hiesigen Waldbesitzer bewirtschaften ihre Wälder im internationalen Vergleich auf ökologisch höchstem Niveau. Mehr als die halbe Waldfläche des Landes trägt ein Ökozertifikat (FSC oder PEFC). Aus der zertifizierten Fläche stammen etwa 70% des genutzten Holzes.

Baumaterial aus lokaler Herkunft schafft einen starken Bezug zur eigenen Umgebung – und das ist vielen etwas wert in einer Zeit, wo man im Mainstream der Dinge rudert, von denen keiner weiss, woher sie stammen und durch wessen Hände sie gegangen sind.

Tatsächlich fragen bewusste Bauherren zunehmend nach einheimischem Holz – und Konsumenten lassen sich immer öfter beim Einkauf etwa im Do it & Garden der Migros vom ‹Herkunftszeichen Schweizer Holz› ansprechen, das seit 2009 alles Holz auf einen Blick kenntlich macht, das aus der Schweiz kommt und hier verarbeitet worden ist. Das Herkunftszeichen wird seit 2012 auf der gesamten Wald­fläche der Schweiz angewendet und deckt mittlerweile gegen 80% der Sägereiproduktion ab.

Bauen über das Einfamilienhaus hinaus

Dass sich mit Schweizer Holz bei weitem nicht nur Einfamilienhäuser erstellen lassen, die qualitativ top und technisch auf der Höhe der Zeit sind, weisen viele grosse Bauten nach, die in den letzten Jahren mit dem ‹Herkunftszeichen Schweizer Holz› ausgezeichnet wurden: etwa das riesige Salzlager der Rheinsalinen in Riburg, Hallen für Industrie und Gewerbe, aber auch Bürobauten oder Mehrfamilienhäuser wie dasjenige, das Marie-Theres und Markus Portmann am Kirchrainweg im Zentrum von Kriens bei Luzern im Frühjahr 2013 fertiggestellt haben.

Der von aardeplan Architekten aus Baar geplante Bau erreicht energetisch den Standard Minergie-A-Eco und hat die Auszeichnung ‹Watt d‘Or› 2014 des Bundesamtes für Energie in der Kategorie ‹Gebäude und Raum› geholt.

Erstellt wurde das Haus in Holzbauweise mit Luzerner Weisstanne. Dabei kamen 230 Kubikmeter Holz zum Einsatz, das zu 85% aus Luzerner Wäldern stammt. Das Holz wurde im Umkreis von rund 30 Kilometern verarbeitet. Das Beispiel zeigt, dass regionale Wertschöpfungsketten auch bei Projekten dieser Grösse realisierbar sind, wenn sich alle Beteiligten an einen Tisch setzen.

Kirchrainweg.jpg
Mehrfamilienhaus am Kirchrainweg in Kriens (Strategie und Gesamtkonzept: e4plus AG, Kriens; Architektur und Nachhaltigkeit: aardeplan AG, Baar; Holzbauingenieur: AG für Holzbauplanung, Rothenthurm)
(Bild: Gabriel Ammon, Fotoagentur Aura, Luzern)

 

Quelle: Lignum - Holzwirtschaft Schweiz

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