16.01.2015 - Holz erobert die Grossstadt

120 Wohnungen auf 13 Etagen, hölzern vom Liftschacht bis zur Fassade: Ein schwedisches Architekturbüro plant in Stockholm das höchste Holzhaus der Welt.

 
Man riecht das Harz, bevor man das Holz sieht. Der Geruch reicht über die Strasse, durch Regen und Verkehr. Es riecht wie frisch geschnittene Fichte und Wald, wie Weihnachten, wie Papas Werkstatt. Der Geruch passt irgendwie nicht hierher, an diese hektische Strasse in Sundbyberg, einem Vorort von Stockholm. Dann sieht man die Häuser. Es sind zwei grosse Apartmentgebäude, acht Stockwerke hoch, Balkon über Balkon. Sie gelten als die weltweit höchsten Wohnhäuser, die ganz und gar aus Holz gebaut wurden.
 
Den Titel werden sie bald verlieren. Doch er bleibt im Land. Ein Stockholmer Architektenbüro möchte den rustikalen Baustoff Holz nämlich grossstadttauglich machen. Olof Grip und Josef Eder von General Architecture haben ein Hochhaus entworfen – hölzern vom Liftschacht bis zur Fassade. Mit 120 Wohnungen auf 13 Stockwerken soll es das nächste «höchste Holzhaus» der Welt werden. «Weil es noch keine Holzhäuser dieser Grösse gibt, mussten wir erst herausfinden, wie es aussehen könnte», sagt Grip. «Ein Holzhaus, das sich nicht seltsam anfühlt in der Innenstadt.»
 
Ganz und gar hölzern
Um den Titel des höchsten Holzhauses der Welt haben sich auch schon andere beworben. Sie haben dabei jedoch immer auf Hilfsmittel zurückgegriffen, die nicht aus Holz waren, haben Beton mit eingebaut und die Aussenwände verkleidet. Oft sieht man dann gar nicht mehr, dass man vor einer Holzkonstruktion steht. Die Stockholmer aber machen ernst: kein Beton, kein Gips, kein Putz für die Fassade. Das Zedernhaus soll zeigen, was es ist: ganz und gar hölzern. Seinen Namen hat es von den Schindeln aus kanadischem Zedernholz, die das Hochhaus verkleiden werden. Es ist dieselbe Fassade wie bei den achtstöckigen Häusern, die in Sundbyberg schon stehen. Die Schindeln erinnern an die Schuppen eines Tieres, fühlen sich rau und warm an, zumindest wärmer als Stein. Sie sind ja auch noch ganz frisch. Eines der Häuser ist erst im September 2014 fertig geworden, das andere im Sommer 2013. Noch sieht die Zeder rötlich aus, aber mit der Zeit und dem Wetter wird sie grau werden, fast schwarz bei Regen.
 
Ungefähr so wird dann also auch das Zedernhaus im Stockholmer Zentrum aussehen, zwischen seinen Nachbarn aus Stahl und Beton. Es wird Teil des neuen Hightechviertels Hagastaden, das an die Innenstadt grenzt, alles ganz modern. Zwei Hochhausreihen sind hier geplant, dazwischen ein Parkstreifen. Die Planer haben dabei vom Central Park geträumt, von einer Skyline über den Baumwipfeln. Und mitten drin zwei hölzerne Türme. Gebaut wird ab 2016.
 
 
Unter folgendem Link steht der ganze Bericht zum Download zur Verfügung:
 
Holz erobert die Grossstadt.pdf
 
 
 
Quelle: Tages-Anzeiger 13.01.2015
Bild: Tages-Anzeiger