17.02.2015 - Grossprojekte mit Holz auf dem Vormarsch

Im Auftrag des Bundesamts für Umwelt BAFU hat der Kompetenzbereich Marktforschung und Baumonitoring der Berner Fachhochschule Architektur, Bau und Holz die Marktentwicklung bei Grossprojekten in Holzbauweise untersucht. Der Schlussbericht zeigt: Die Anzahl der bewilligten Grossprojekte hat von 2010 bis 2013 um über 20% zugenommen.

Das Forschungsprojekt stützte sich auf die Baubewilligungen von Grossprojekten in Neubau und An-/Umbau der Jahre 2010–2013 gemäss Gebäudedatenbank der BFH. Die Daten wurden für die Gebäudekategorien Wohnen, Gewerbe und öffentliche Bauten analysiert. Die Marktentwicklung lässt sich damit erstmals für grosse Projekte im Neubau (> CHF 5 Mio.) sowie im An-/Umbau (> CHF 3,5 Mio.) in Holzbau- und in Massivbauweise für die ganze Schweiz beurteilen.

Wesentlicher Holz-Anteil an Grossprojekten

 

In den Jahren 2010 bis 2013 wurden in der Schweiz über 8500 Grossprojekte mit rund 20000 Gebäuden bewilligt, Tendenz steigend. Die Baukosten für diese Projekte beliefen sich nach BKP2 auf rund CHF 120 Mia. Im wachsenden Markt der Grossprojekte stiegen von 2010 an auch die Marktanteile des Werkstoffs Holz. Im Jahr 2013 wurden über 2300 Grossprojekte in der Schweiz bewilligt, davon 7,3% mit Tragkonstruktionen in Holz und 11,5% mit Fassaden in Holz.

An der online durchgeführten Befragung nahmen knapp 300 Experten teil. Die Ergebnisse zeigen, dass Grossprojekte mit Tragkonstruktionen in Holz überdurchschnittlich oft Holzfassaden aufweisen und dass zu knapp 80% Holz- bzw. Holz-Metall-Fenster eingesetzt werden. Bei Grossprojekten mit Konstruktionen in Holz werden die Materialentscheidungen nach Angaben der Teilnehmenden grundsätzlich früher getroffen als bei Massivbauten. Dies trifft auch auf den Entscheidungsprozess bei Fassaden zu.

 

Wachsende Akzeptanz bei den Planern

 

Wesentliche Entscheidungskriterien für die Holzbauweise sind neben der Nachhaltigkeit und der Statik auch Anschaffungs- und Erstellungskosten, Aussehen/Ästhetik und Raumkomfort. Die Kostendifferenz zwischen Holzbau- und Massivbauweise wird aus Sicht der Experten als eher abnehmend eingeschätzt, besonders wenn gleichwertige Lösungen verglichen werden.

Generell lässt sich für Grossprojekte mit Konstruktionen und/oder Fassaden mit Holz eine wachsende Akzeptanz feststellen. Mit zunehmender eigener Erfahrung der Planer steigt auch ihre Zufriedenheit mit dem Planungs- und Erstellungsprozess. Bei den Kommunikationsprozessen zwischen den Beteiligten für An- und Umbauten zeigt die Umfrage noch Verbesserungspotential.

 

Hohe Bereitschaft für weitere Projekte in Holz

 

Nach ihren Absichten gefragt, gaben 30% der Befragten an, in Zukunft Grossprojekte mit Holzeinsatz in der Konstruktion oder im Fassadenbereich zu planen, da sie gute Erfahrungen gemacht hätten. Weitere 50% können sich dies gut vorstellen und würden die Entscheidung jeweils projektspezifisch treffen. Nur ein geringer Anteil der Teilnehmenden würde eine Konstruktion oder Fassade in Holz nicht weiterempfehlen.

Als Chancen für den Einsatz von Holz bei Grossprojekten wurden besonders häufig Ökologie und Nachhaltigkeit, die schnelle Bauzeit und die Vorfertigung genannt. Zu den am häufigsten genannten Herausforderungen gehörten der Brand- und Schallschutz, Dauerhaftigkeit, Kosten und Planung. Handlungsbedarf wird oft bei der Akzeptanz, bei Planungshilfen, beim Brandschutz sowie bei Kosten und Dauerhaftigkeit gesehen. Ausserdem wird es von den Experten als wesentlich eingeschätzt, dass die öffentlichen Vorschriften den aktuellen Stand der Technik auch in Zukunft widerspiegeln.

 

Schlussbericht der Berner Fachhochschule, Institut für Holzbau, Tragwerke und Architektur:

BFH-AHB_GrossprojekteHolzbauweise_2014.pdf (2 MB)

 

 

Quelle: Lignum

Bild: Gregor Matter, Winterthur