02.03.2016 - Graubünden empfängt Asylsuchende künftig in einem Holzbau

Asylsuchende, die dem Kanton Graubünden zugewiesen werden, beziehen ab 2017 eine Unterkunft im neuen Erstaufnahmezentrum in Churwalden. Es entsteht auf dem kantonseigenen Areal des Zivilschutzausbildungszentrums Meiersboden und bietet Platz für 180 Personen. Erstellt wird ein Holzbau nach
                                              Minergie-Standard ohne Zertifizierung.

Das neue Erstaufnahmezentrum soll das in Privatliegenschaften betriebene Asylzentrum an der Schönbühlstrasse in Chur ersetzen, dessen Mietverträge spätestens im Jahr 2017 auslaufen. Die Baukosten für das im Eigentum des Kantons stehende Zentrum belaufen sich auf total CHF 7,7 Mio.

Das Projekt ist als Sieger aus einem Gesamtleistungswettbewerb des Kantons für einen Holz-Neubau in Element- oder Modulbauweise hervorgegangen. Die Anforderung ‹Nachhaltig produziertes Holz› wird gemäss den Empfehlungen für nachhaltiges Bauen der Koordinationskonferenz der Bau- und Liegenschaftsorgane der öffentlichen Bauherren KBOB mittels HSH-, FSC- oder PEFC-Zertifikat erfüllt.

Anklang an ländliche Kurhausbauten

Das modular aufgebaute Aufnahmezentrum wird trotz einfachem Ausbaustandard wohnlich wirken. Die Konstruktionsweise stellt darüber hinaus hohe Flexibilität hinsichtlich Umnutzung und Wiederverwendbarkeit sicher. Damit bietet das neue Bauwerk Werthaltigkeit über den momentanen Zweck und Bedarf hinaus.

Gestalterisch sucht das Projekt die Nähe zur Typologie ländlicher Kurhäuser und Hotelbauten. Der Entwurf orientiert sich am Bild eines Holz-Lagerplatzes, wo Stapel von Brettern zum Trocknen gelagert und mit einem einfachen Blechdach vor der Witterung geschützt werden.

Klare Raumorganisation

Der Hauptbau steht dreigeschossig an der Strasse und verstärkt damit den Strassenraum. Auf der Rückseite wird mit dem eingeschossigen Vorbau die Massstäblichkeit des Ortes und der Eingangssituation aufgenommen. Von der Strasse abgewandt liegen der Zentrumszugang sowie die Aussenanlagen und Parkplätze.

Die Zweiteilung des Bauvolumens in Hauptbau und Nebenbau spiegelt die innere Raumorganisation. Im dreigeschossigen Hauptbau sind der Unterkunftsbereich mit den Zimmern und die Verwaltung angeordnet, im Anbau Schulungs- und Theorieräume sowie die Schulungsküche. Somit können die Schulungsräume auch für externe Veranstaltungen und Schulungen genutzt werden, ohne dass der Beherbergungsbetrieb gestört wird.

Hohe Flexibilität …

Die Raumorganisation des zweibündigen Hauptbaus ist für die Benutzer einfach erfassbar. Die repetitive Gebäudestruktur mit Verbundgeschossplatten und Wandschotten entspricht den Anforderungen hinsichtlich Flexibilität und Wirtschaftlichkeit. Mit standardisierten Zwischenelementen können Zimmer und Bereiche leicht abgetrennt und verändert werden. Die Fassade mit aus Lärchenbrettern gefertigten Holztafeln trägt die innere Struktur nach aussen.

Das Dach wird durch eine Brettstapeldecke mit darüberliegender Wärmedämmung und flachgeneigter Trapezblecheindeckung gebildet. Die Decken sind in Holz-Beton-Verbund vorgesehen. Die Lastabtragung erfolgt über die tragenden Aussenwände in Holzbauweise sowie die beiden Unterzugsachsen der Korridorwände. In die Korridorwände werden im Abstand von rund 5 m Stahlstützen integriert.

… bis und mit Nachnutzung

Durch die Lastabtragung mit Stützen und Unterzügen können die Trennwände nichttragend ausgebildet werden. Die daraus resultierende weitgehend flexible Raumeinteilung erleichtert allfällige Umbauten und Umnutzungen. Nichttragende Innenwände können verschoben, entfernt und neu eingesetzt werden, ohne in die Gebäudestatik einzugreifen.

Eine gewollte Flexibilität zeigt sich auch im Brandschutz. Die Konzepte für Bewilligung, Ausführung und Qualitätssicherung sind als Beherbergungsbetrieb [b] nach den aktuell gültigen Brandschutzvorschriften ausgelegt. Damit ist eine flexible Nutzung sowohl als Asylantenheim oder auch als Jugendherberge oder Hotel denkbar.

Links www.gr.ch | www.lieschott.ch | www.fluechtlingsunterkuenfte.ch

Bildlegende: 
Projekt Erstaufnahmezentrum Meiersboden, Churwalden

Generalunternehmer: Implenia Schweiz AG, Buildings Chur
Holzbau: Implenia Schweiz AG, Holzbau Zürich
Architektur: Liesch Ott Architekten, Chur
Bauingenieur Holzbau/Fachingenieur Brandschutz: Josef Kolb AG, Romanshorn
Oben: Ansicht von der Strasse. Unten: Perspektive Eingang.
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