03.06.2016 - Lignum-Delegierte tagen in Genf

Begrüsst wurden die Delegierten von Claude Haegi, Präsident der Lignum Genf, alt Regierungspräsident der Republik und des Kantons Genf sowie ehemaliger Bürgermeister der Stadt Genf. Er umriss in Kürze die Bedeutung Genfs, das als Sitz einer Vielzahl internationaler Organisationen nicht nur über weltweite Ausstrahlung verfügt, sondern auch für starke wirtschaftliche Impulse im ‹Arc lémanique› sorgt.
 
Die Lignum-Delegierten behandelten an ihrer Versammlung unter der Leitung von Lignum-Präsidentin und Nationalrätin Sylvia Flückiger die statutarischen Geschäfte zügig. Den Organen wurde ohne Gegenstimme Décharge erteilt, nachdem das Protokoll der vorjährigen Delegiertenversammlung ebenso einstimmig genehmigt worden war wie die Jahresrechnung mit Revisionsbericht und der Jahresbericht 2015. Letzterer ist ab sofort online unter www.lignum.ch greifbar; er wird den Lignum-Mitgliedern zusammen mit dem nächsten ‹Holzbulletin› in gedruckter Form Ende Juni zugestellt.
 
Frankenschock und Prix Lignum im Zentrum
Erster Lignum-Schwerpunkt des Berichtsjahrs war im Februar der geschlossene, medial stark beachtete Positionsbezug der Branche kurz nach dem Fall der Franken/Euro-Untergrenze unter Einreichung eines Bündels politischer Vorstösse in Bern. Im Laufe der folgenden Monate wurde das Marketing für das Herkunftszeichen Schweizer Holz HSH unter Führung der Dachorganisation massiv hochgefahren. Im Herbst standen die Resultate des zum dritten Mal als regional/nationales Verbundprojekt durchgeführten Prix Lignum 2015 im Zentrum, über den Bundesrat Johann N. Schneider-Ammann ein persönliches Patronat übernahm. Die Preisverleihung fand Ende September statt; seither werden die Ergebnisse in Wanderausstellungen schweizweit gezeigt.
 
Warme Worte des Dankes richtete Lignum-Präsidentin Sylvia Flückiger für ihr langjähriges Wirken an die scheidenden ‹Urgesteine› Ruedi Lustenberger (Verband Schweizerischer Schreinermeister und Möbelfabrikanten VSSM) sowie Max Binder (WaldSchweiz). Zudem begrüsste sie in der Runde den neuen Delegierten Pascal Schneider (Holzindustrie Schweiz HIS). Daniel Ingold, seit letztem Sommer neuer Direktor des Cedotec und mithin auch des Lignum Office romand, gab den Delegierten einen Überblick über die vielfältigen Leistungen des Cedotec, das im Netzwerk der Westschweiz die Speerspitze der Holzförderung bildet.
 
Begehung eines Holzbaus der Superlative
Genf verfügt nur über eine sehr geringe Waldfläche. Holz als Baumaterial ist damit a priori weniger naheliegend als etwa im waldreichen Kanton Freiburg, wie Claude Haegi anmerkte. Um so beeindruckender sind die grossen Holzbauten, die im Stadtkanton die Blicke auf sich ziehen: etwa das Palais de l’Equilibre der Landesausstellung Expo.02, das heute als Besucherzentrum des Teilchenforschungszentrums CERN dient, derzeit auch der Temporärbau für die Genfer Oper an der Place des Nations, vor allem aber der neue Konferenzsaal der Weltorganisation für geistiges Eigentum (Organisation mondiale de la propriété intellectuelle OMPI), der weitere internationale Organisationen zum Bauen mit Holz motivieren könnte.
 
Die Generalversammlung der Mitgliedsstaaten der Weltorganisation für geistiges Eigentum hatte im Oktober 2009 das Projekt des Stuttgarter Architekturbüros Behnisch für den Bau eines neuen Konferenzsaals mit 900 Plätzen genehmigt. Gebaut wurde vom Sommer 2011 bis zum Sommer 2014; Ende September 2014 wurde der Bau eingeweiht. Das elegante und luftige Werk stellt mit seinem Schindelkleid eine gelungene Mischung aus traditioneller Handwerkskunst und modernster Technologie dar. Insofern legt es nicht nur Zeugnis ab von den globalen Themen und Herausforderungen, die im neuen Saal erörtert werden, sondern präsentiert sich selber auch als avantgardistische Schöpfung.
 
Nachhaltigkeit inbegriffen
Hauptanliegen der Bauherrschaft war neben den funktionalen Anforderungen ein rundum nachhaltiges Gebäude. Damit stand die Wahl von einheimischem Holz als Baustoff rasch fest; der Einsatz energieintensiver Materialien wie Beton oder Glas beschränkt sich dagegen auf ein Minimum. Von den rund 60 am Bau beteiligten Firmen waren mehr als die Hälfte Schweizer Unternehmen. Das Gebäude ist mit dem Herkunftszeichen Schweizer Holz HSH ausgezeichnet worden.
 
Die tragende Struktur über den eindrücklichen 1600 m2 Saalfläche erschliesst sich bei näherem Hinsehen als kunstvolle Verschachtelung von vier sich verjüngenden Volumen auf einem Stahlbetonsockel, den der Holzbau allseitig überragt. Zwei immense Auskragungen von 35 m und 17 m lichter Weite setzen sich scheinbar über die Gesetze der Schwerkraft hinweg. Holzbauingenieur Thomas Büchi, ständiger Delegierter der Lignum Genf und Präsident von Charpente Concept Ingénieurs et designers du bois (Perly) erschloss den Lignum-Delegierten in einem packenden Vortrag die Konstruktion, in der 12‘000 Stunden Planungsarbeit stecken, und führte sie durch den beeindruckenden Bau.
 
Medienmitteilung:
Lignum-Delegiertenversammlung_in_Genf.pdf
 
Bildlegende: Konferenzgebäude WIPO, Genf
Das skulpturale Gebäude der Weltorganisation für geistiges Eigentum mitten in der internationalen Stadt Genf zieht die Blicke auf sich. Seine Fassade aus Lärchenschindeln schafft einen starken Kontrast zum Glas und Stahl der umliegenden Gebäude. Mit der Wahl von regionalem Holz als Hauptbaustoff unterstrich die Bauherrschaft ihr Engagement für Nachhaltigkeit.
Bild: Corinne Cuendet, Clarens
 
Bauherrschaft: Weltorganisation für geistiges Eigentum, Genf
Architektur: Behnisch Architekten, Stuttgart (D); Projektleiter: Patrick Stremler
Holzbauingenieur Konsortium Bois OMPI: Charpente Concept SA, Perly, SJB Kempter Fitze Bauingenieure AG, Herisau, und Jean-Marc Ducret, Orges
Holzbau Konsortium Bois OMPI: JPF Ducret SA, Bulle, und Dasta Charpentes Bois SA, Plan-les-Ouates (Tragwerk), John Schwab SA, Gampelen (Akustikbekleidungen), Baeriswyl AG, Düdingen (Holzschindelfassade), MS Services SA, Genf (Parkett)